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OFFENER BRIEF An die Mitglieder des Gemeinderats der Stadt Karlsruhe (13.01.2021)

Sehr geehrte Frau Stadträtin, sehr geehrter Herr Stadtrat,

am 29. November haben wir Sie per E-Mail angeschrieben und im Rahmen der Haushaltsdebatte die konsequente und vollständige Umsetzung des Klimaschutzkon-zepts der Stadt Karlsruhe angemahnt. Auf dieses Schreiben haben wir einige Antworten erhalten, die wir nicht unkommentiert lassen wollen. Wir möchten auf Denkgewohnheiten eingehen, die uns in den Antworten entgegen schlagen, und die dazu führen, dass dem Klimaschutz nicht die erforderliche Priorität eingeräumt wird.

1) Die Natur stellt der Menschheit mit der Klimakrise bedingungslos eine Aufgabe, die nicht aufgeschoben, nicht verhandelt und nur noch in diesem Jahrzehnt gelöst werden kann. Eine zweite Chance gibt es nicht.

Die Natur stellt uns hierbei nur einen einzigen Zukunfts-Pfad zur Verfügung, der mit hinreichend hoher Wahrscheinlichkeit verhindert, dass die Klimakrise für unsere Nachkommen in einer irreversiblen Klima-Katastrophe endet: Die Menschheit muss das 1,5 Grad CO2-Emissionsbudget BEDINGUNGSLOS einhalten.
Die bedingungslose Anforderung folgt unmittelbar aus der Tatsache, dass der Mensch die Naturgesetze nicht ändern kann.

Damit wird die Frage des Klimaschutzes zwingend zu einer fundamentalen und höchst moralischen Zukunftsfrage. Es ist ethisch nicht vertretbar, unsere Enkel und Urenkel – bildlich gesprochen – in einen Bus zu setzen, vom dem wir wissen, dass seine Fahrt mit 98%iger Wahrscheinlichkeit in einem tödlichen Unfall enden wird. Und genau das tun wir, wenn wir den einzigen uns zur Verfügung stehenden Zukunftspfad aus der Klimakrise nicht rechtzeitig und konsequent verfolgen.
Bitte erkennen Sie an,

  • dass die Natur uns die Aufgabe der Bewältigung der Klimakrise bedingungslos stellt
  • dass der einzige mögliche Weg aus der Klimakrise die Einhaltung des 1,5 Grad CO2-Emissionsbudgets ist
  • dass entsprechend den wissenschaftlichen Erkenntnissen eine Temperaturerhöhung von etwa 2 Grad ein planetarer Grenzwert ist, an dem das Klima potentiell irreversibel kippt. Mit jedem Zehntel Grad mehr als 1,5 Grad erhöht sich die Wahrscheinlichkeit einer Klimakatastrophe dramatisch!

2) Wir bitten Sie alles dafür zu tun, dass mindestens das, was der Gemeinderat zum Klimaschutz bereits beschlossen hat, auch umgesetzt wird. Sorgen Sie dafür, dass die erforderlichen geldlichen und personellen Ressourcen zur raschen, konsequenten und vollständigen Umsetzung des Klimaschutzplans zur Verfügung stehen.

Es kann kein Zweifel bestehen, dass die Klimakrise eine globale Krise ist und auch als solche behandelt werden muss. Es ist auch wahr, dass viele Sachzwänge extrem hinderlich für eine schnelle Umsetzung der Klimaschutzmaßnahmen sind. Es ist auch wahr, dass uns der Klimaschutz vor enorme wirtschaftliche und gesellschaftliche Schwierigkeiten stellt.

Es ist wahr, aber letztendlich nicht relevant. Es ist einfach nicht legitim, mit Hinweis auf die Globalität die Verantwortung auf eine höhere politische Ebene zu schieben und lokal nicht das zu tun, was möglich ist. Auch ist es nicht legitim, mit dem Hinweis auf mögliche negative Auswirkungen oder juristische Hindernisse keinen oder einen nicht ausreichenden Klimaschutz zu rechtfertigen oder Klimaschutz nach Kassenlage zu betreiben. All das entbindet uns nämlich nicht von der Verantwortung, einen erfolgreichen Klimaschutz sicherzustellen. Die Politik hat als einzige Institution die Möglichkeit, die gesellschaftlichen und insbesondere die gesetzlichen Rahmenbedingungen zu schaffen, die uns auf den Pfad aus der Klimakrise bringen und dort halten. Und deshalb trägt auch die Politik die Verantwortung für einen erfolgreichen Klimaschutz. Diese Verantwortung kann nicht relativiert oder weggeschoben werden.

Die immer noch viel zu schleppende Umsetzung des Klimaschutzes zeigt, dass die Politik sich offenbar weder der Reichweite der Aufgabe Klimaschutz noch ihrer damit verbundenen Verantwortung hinreichend bewusst ist. Es wird höchste Zeit, dass die Politik diese Aufgabe parteiübergreifend so annimmt, wie die Natur sie uns stellt: Bedingungslos und ohne Wenn und Aber. Sie muss dafür Sorge tragen, dass die genannten Rahmenbedingungen so geändert werden, dass eine Transformation aller Bereiche – Industrie, Gewerbe, Landwirtschaft, Konsum, Verkehr, Energieerzeugung – zur Klimaneutralität in Einklang mit dem 1,5 Grad CO2-Emissionsbudget angestoßen wird.

Liebe Politikerinnen und Politiker, erkennt Eure Aufgabe und haltet Euch daran!

Mit freundlichen Grüßen
Jean-Jacques Lieners
i. A. von ParentsForFuture Karlsruhe

Lesen Sie hierzu auch den Offenen Brief an den Gemeinderat vom 29. November 2020

PAMINA-Klima-Challenge

Klimaschutz : Jetzt & grenzüberschreitend & gemeinsam
Vom 01 Dezember 2020 bis 09 Mai 2021

Der erste Schritt wurde bei unserer PAMINA-Jugendkonferenz-Klimaschutz am 13. & 14. November gemacht, nun sind alle Bürgerinnen und Bürger des PAMINA-Raumes dran, den Ball aufzunehmen und einen konkreten Beitrag zum Klimaschutz zu leisten. Wie das geht? Alleine, mit Freunden, Familie, Kommilitonen, dem Sport- oder Musikverein, Kollegen oder Nachbarn könnt Ihr eine der Aktionen der PAMINA-Klima-Challenge umsetzen und so einen eigenen kleinen Beitrag zum Klimaschutz leisten. Außerdem sammelt Ihr dabei für Eure Gemeinde Punkte, die so vielleicht zu einer der drei PAMINA-Klimakommunen gekürt wird.

Weitere Infos dazu hier:

https://www.eurodistrict-pamina.eu/de/de-pamina-jugendkonferenz-klimaschutz/pamina-klima-challenge_-d.html#.X9YaX7MxmUl

OFFENER BRIEF an die Mitglieder des Gemeinderates der Stadt Karlsruhe

Sehr geehrte Damen und Herren,

die Stadt Karlsruhe hat ein Klimaschutzkonzept mit konkreten und messbaren Zielen beschlossen, die in den nächsten 10 Jahren umgesetzt werden soll.
Sie entscheiden in Kürze über den städtischen Haushalt und damit auch über die finanziellen und personellen Ressourcen, die für das Klimaschutzkonzept zur Verfügung stehen.
Wir wenden uns heute persönlich an Sie mit einer Bitte, die wir nachstehend erläutern:
Wie sehr eine schnelle und vollständige Umsetzung des Klimakonzepts dringend geboten ist zeigen folgende wissenschaftliche Studien:


• Wenn die CO2-Emissionen innerhalb der EU weiterhin so hoch sind wie aktuell, ist unser verbleibendes Budget innerhalb von etwa 7 Jahren aufgebraucht. Dieses Budget wurde auf der Grundlage ermittelt, die Erderwärmung auf maximal 1,5° zu begrenzen – und dies mit einer Wahrscheinlichkeit von nur 50 bis 67 %. (1)
Die bis zur Klima-Neutralität auf akkumulierten Treibhausgas-Emissionen dürfen das verbleibende Budget NICHT überschreiten.
• Laut einer EU Studie ist nichts weniger als die menschliche Existenz bedroht, sollten die Temperaturen über 2030 hinaus weiter als 1,5° ansteigen. (2)

Die Stadt Karlsruhe plant bis 2050 klimaneutral zu sein. Bei Berücksichtigung des verbleibenden Emissions-Budgets ist diese lange Laufzeit nur dann möglich, wenn in den ersten Jahren eine schnelle Reduktion der aktuellen Emissionen erfolgt. Ein möglicher Reduktionspfad wäre es, die aktuellen Emissionen von Treibhausgasen in den ersten 7 Jahre um ca. 76% linear zu reduzieren und ab dann die Emissionen bis zur Klimaneutralität 2050 langsamer weiter abzusenken.
Der notwenige Finanzierungsrahmen für das Klimaschutzkonzept liegt bei 40 bis 50 Millionen Euro pro Jahr.
In der Haushaltdebatte für das Jahr 2021 am 20.8 befürworten einige Fraktionen, die Mittel für das Klimaschutzkonzept deutlich zu reduzieren, so dass 2021 voraussichtlich weniger als die Hälfte des mittleren jährlichen Finanzierungsbedarfs zur Verfügung stehen wird.
Zudem sind auch die Personalkosten von Kürzungen stark betroffen. So werden nach unserer Interpretation im ersten Jahr nur 10 der 41,5 laut Klimaschutzkonzept benötigten Stellen geschaffen.
Es ist uns klar, dass das vorliegende Klimaschutzkonzept, das aus einer Vielzahl von Maßnahmen besteht, in der Anlaufphase umfangreiche Planungen, wie Aufbau der Organisation, Aufbau und Schulung des Personals, Detailplanung der Maßnahmen erfordert, bis eine Umsetzung möglich ist. Es ist uns ebenso klar, dass nicht alle Maßnahmen heute schon umsetzungsfähig sind.
Sie als Mitglied des Gemeinderats haben trotzdem die Verantwortung, alles Erforderliche in die Wege zu leiten, um die Klimakrise soweit einzudämmen, dass unseren Kindern und Enkelkindern noch ein gedeihliches Leben ermöglicht wird.
Die schwerste Hypothek, die wir unseren Nachkommen hinterlassen können, ist ein gekipptes Klimasystem. Sie kann im Gegensatz zu finanziellen Schulden grundsätzlich nicht mehr getilgt werden.

Bitte sorgen sie dafür, dass
1) ausreichend personelle Ressourcen zur zügigen Planung bereits in der Anlaufphase zur Verfügung stehen, damit die Maßnahmen schnellst möglich bis zur Umsetzungsreife geplant werden können
2) für alle umsetzungsfähigen Maßnahmen genügend personelle und finanzielle Ressourcen zur Verfügung stehen, damit sie ohne Verzögerung umgesetzt werden können
3) durch die Stadtverwaltung eine transparente Finanz- und Ressourcenplanung bis 2030 vorgelegt wird, aus der klar hervorgeht, wann welche Mittel wofür eingesetzt werden.
4) eine jährliche Berichterstattung implementiert wird, die aufzeigt welche Maßnahmen zur Einsparung von Emissionen erfolgreich waren und welche nicht. Bei Letzteren muss die Planung angepasst werden, um die Emissionsziele im Einklang mit unserem Emissionsbudget doch noch zu erreichen.

Mit freundlichen Grüßen

Jean-Jaques Lieners
ParentsForFuture
Regionalgruppe Karlsruhe

PS: Hier haben wir eine Excel Tabelle für Sie verlinkt, welche beispielhaft die Konzeption des Emissions- Budgets beschreibt

Quellen:
(1) Stellungnahme der Scientists for Future zu den „Forderungen von Fridays for Future Deutschland an die deutschen Vertreter*innen auf EU-Ebene“, https://www.scientists4future.org/stellungnahme-fffforderungen-an-eu/

(2) Global Trends to 2030: Challenges and Choices for Europe,
https://www.iss.europa.eu/content/globaltrends-2030-%E2%80%93-challenges-and-choices-europe

Warming-Stripes-Masken

Die Parents4Future Karlsruhe verkaufen wieder Mund-Nasen-Bedeckungen mit dem Aufdruck der Warming Stripes ( s.a. https://showyourstripes.info/ ). Die Warming Stripes unserer Masken stellen die Zunahme der Jahresmitteltemperaturen in Deutschland von 1881 bis 2019 dar. Wir haben auch Kindermasken in Programm.

Die Masken sind zweilagig aus bedruckter, GOTS-zertifizierter Bio-Baumwolle und recyceltem Baumwollstoff (Bettwäsche) gefertigt. Sie haben eine eingenähte Nasenklammer aus Aluminium, die mit gewaschen werden kann. Die Masken gibt es mit Stoff- (links im Bild) oder Gummibändchen (rechts im Bild).

Wir verkaufen die Masken für 10,- € das Stück incl. Porto und Verpackung. Ihr könnt sie bestellen bei klaus.m.mayer[at]arcor.de

Bitte gebt eure Adresse und die gewünschte Anzahl an und ob ihr Stoff- oder Gummibändchen wollt. Klaus wird euch dann seine Kontoverbindung mitteilen.

Die Masken können auf zwei Weisen getragen werden:

Faktor2 Städtechallenge

Wir möchten Euch Alle ganz herzlich einladen, bei der Städtechallenge um Faktor2 mit zu machen!

Teilnehmen dürfen alle Städte – Ihr kämpft als Bürger gemeinsam mit Eurer Stadtverwaltung um den ✌🏼 Sieg 🏆: wer hat den größten Zuwachs an PV-Leistung bis sich der erste Teilnehmer verdoppelt hat?

Alle Infos dazu gibt es hier:
https://www.parentsforfuture.de/de/staedtechallenge
Der Baukasten mit allen Infos zum Ablauf der Städtechallenge findet Ihr in der PDF auf dieser Seite!

Wir freuen uns über jede Stadt! Lasst uns jetzt die ⚡ Energiewende⚡ ankurbeln und mit möglichst vielen Städten am 21.2.21 an den Start gehen!!

Kommt in unsere „Städtechallenge“ – WhatsApp Gruppe📝 : https://chat.whatsapp.com/HwgBUwa5ceXJVKaDXSW7O2

Lasst uns auf die Tube drücken, damit wir am 21.2.21 möglichst viele Städte am Start haben, die beweisen, wie viel Potential für den Anstieg von PV vorhanden ist!🥳

Wir freuen uns auf Euch :
Verena und Eric aus der P4F – SolarGipfel AG und Rainer, sowie Holger von Fossil free Karlsruhe 📢

Klimafakten – Neue Zusammenfassung

Unter dem Titel „Was wir heute übers Klima wissen“ haben Herausgeber aus renommierten Organisationen ein 24-seitiges Papier verfasst. Der Untertitel sagt, worum es geht: „Basisfakten zum Klimawandel, die in der Wissenschaft unumstritten sind“

Das Ganze ist sehr verständlich geschrieben und eignet sich sehr gut als Argumentationshilfe in der Auseinandesetzung mit Zweiflern, Säumigen und und Unentschlossenen.

Eimnfach hier herunterladen!

#KeinGradWeiter – Globaler Klimastreik am 25.09.

#KeinGradWeiter ist das Motto des weltweiten Klimastreiks am 25.09. Die FFF Karlsruhe haben eine Menschenkette als sinnvolle Versammlungsform in Corona-Zeiten gewählt und jetzt sind wir alle gefragt. Mehr denn je müssen wir – auch mit Abstand und Maske – ein Zeichen setzen, dass die Klimakrise ernst zu nehmen ist und wir hinter den Jugendlichen und ihren Forderungen stehen.

Wir Parents4Future treffen uns am 25.09. um 11 Uhr im Schlossgarten am Schlosscafé – und freuen uns auf alle, die die Fridays unterstützen möchten.

Unser Erkennungszeichen
Mit den Warming Stripes, die einige schon von den ScientistsforFuture kennen, ist eigentlich schon alles gesagt: Sie stellen die jährliche Durchschnittstemperatur farblich von hellblau bis dunkelrot dar und zeigen die Tendenz seit 1950. Als Erkennungszeichen für die Demo haben wir uns diese in Form von Plakaten, Fahnen, Masken und T-Shirts fertigen lassen. So kann man uns besser erkennen und gleichzeitig wird die Message dadurch weiter verbreitet.

Noch keine eigene Warming-Stripes Maske?
Wir verkaufen diese Masken für 10,- € das Stück zzgl. Porto: Die Masken sind aus GOTS-zertifizierter Bio-Baumwolle „Popeline Eco“ und wurden in Mainz von der Schneiderin Aileen Weis gefertigt. Sie sind zweilagig mit eingenähter Nasenklammer. Ihr könnt die Masken mit Gummi- oder mit Bindebändchen bekommen – direkt vor Ort am 25.09. oder schreibt uns einfach eine Mail an klaus.m.mayer[at]arcor.de

Weitere Infos zum Klimastreik gibt es direkt auf der Webseite der Fridays For Future Karlsruhe https://fffka.de/event/25-09-20/

Aufwachen! Worst-Case-Klima-Szenario ist das Wahrscheinlichste!

Neue Studie aus USA zeigt, dass wir aus dem Corona-Schlaf aufwachen müssen

Am 4.8.20 meldete der Deutschlandfunk: Ein Forscher-Team des „Woods Hole Research Center“ in den USA kommt zu dem Ergebnis, dass die aktuell vorhergesagten CO2-Emissionen ziemlich nah an dem Worst-Case-Szenario liegen, das der Weltklimarat 2005 für den Extrem-Fall entworfen hatte, dass wir nichts gegen die Klimakrise unternehmen.

Hier geht es zu dem Artikel:
https://www.deutschlandfunk.de/klima-worst-case-szenario-wird-realistischer.2850.de.html?drn:news_id=1158332

Hier geht es zu dem Hörbeitrag im Deutschlandfunk vom 6.8.20:
https://www.deutschlandfunk.de/der-tag-das-worst-case-klima-szenario.3415.de.html?dram:article_id=481873

Hier ist der Link auf die Seite des „Woods Hole Research Center“:
https://whrc.org/worst-case-co2-emissions-scenario-is-best-match-for-assessing-climate-risk-impact-by-2050/

Liebe Karlsruher*innen, lasst uns jetzt gemeinsam für eine radikale Klimawende kämpfen! Wenn wir so lange warten, bis auch bei Fridays for Future der Frust siegt, haben wir bald nichts mehr, wofür wir noch kämpfen können!

Südumfahrung: Offener Brief an die Karlsruher SPD-Fraktion

Wir veröffetlichen einen Offenen Brief von Ingo Laubehthal (Mitglied von Parents For Future) an die SPD-Stadträt*innen zur Südumfahrung Hagsfeld.

Besonderheit: Die SPD ist eingeladen, auf diesen Brief zu antworten. Kommt eine Antwort vor dem 30.6., dann publizieren wir sie hier (siehe ganz unten) in vollem Wortlaut!

An
die Mitglieder der SPD-Fraktion
im Gemeinderat der Stadt Karlsruhe

Per E-Mail

Offener Brief

Sehr geehrter Herr Marvi, sehr geehrte Stadträtinnen und Stadträte der SPD-Fraktion,

man sagt, „der Kopf ist rund, damit das Denken leichter die Richtung ändern kann“. Wenn Sie in den letzten Monaten auch nur beiläufig die Entwicklung der wissenschaftlichen Erkenntnisse zur Klimakrise verfolgt haben, dann sollte auch Ihnen klar sein, dass wir nicht nur unserem Denken, sondern mit großer Entschlossenheit jetzt auch unserem Handeln sehr schnell eine andere Richtung geben müssen, wenn wir unseren Kindern und Enkeln eine brutale Katastrophe ersparen wollen.
Herr Marvi, ich habe eben das Kurz-Interview auf Baden-TV gesehen, indem Sie sagten: „Wir haben ja auch letztes Jahr symbolisch den Klimanotstand beschlossen …“.
Das ist das Problem. Der Klimanotstand ist nicht symbolisch, er ist verdammt real und verursacht nachweislich in anderen Teilen der Welt schon jetzt unendliches Leid, z.B. für unzählige Menschen, die wegen der Klimaveränderungen ihre Heimat verlassen müssen und auf teils tödlichen Flüchtlingsrouten unterwegs sind in eine ungewisse Zukunft.
Ich appelliere dringend und in großer Sorge an Sie alle: Machen Sie jetzt in Ihren Köpfen Platz für neues Denken und Handeln, das jetzt im Wortsinn not-wendig ist.
Und verspielen Sie jetzt nicht die Glaubwürdigkeit Ihrer Partei und des Mandats, das Ihnen die Bürgerinnen dieser Stadt übertragen haben! Nichts, aber auch gar nichts an diesem Klimanotstand ist symbolisch! Was brauchen Sie denn noch, um das zu verstehen und ernst zu nehmen, wenn führende Klimawissenschaftler täglich radikale Maßnahmen anmahnen? Die Corona-Krise liegt wie ein riesiger schwarzer Schatten auf den kommenden Haushaltsberatungen und droht, dem soeben erst – auch mit Ihren Stimmen – beschlossenen Klimaschutzkonzept der Stadt finanziell das Wasser abzugraben. Wir wissen ohnehin, dass die angestrebte „Nettonull“ bis 2050 nicht ausreicht, um die Erwärmung der Atmosphäre auch nur mit einer Wahrscheinlichkeit von 66% auf maximal 2° zu begrenzen. Und schon für die dafür erforderlichen Maßnahmen wird das Geld nun wahrscheinlich sehr knapp. Wir können und wir dürfen die Maßnahmen aber nicht mehr aufschieben. Das haben wir schon viel zu lange getan! Wie wollen Sie unter diesen Umständen meinen Kindern erklären, dass Sie Natur zerstören und eine Straße für mehr als 50 Millionen € bauen wollen, die zu noch mehr motorisiertem Individualverkehr führen wird? Ich habe Respekt davor, wenn Sie die Sorgen der Hagsfelder Bürgerinnen ernst nehmen, denen nun schon so lange Entlastung versprochen wurde, ohne dass sich ihre Situation verbessert hat. Aber erkennen Sie bitte, dass dieses Problem nicht mit den Mitteln von gestern zu lösen ist! Sie schaffen in einigen Jahren ein wenig Entlastung für die Einen, aber zugleich eine höhere Belastung für viele andere. Und Sie binden für dieses Betonmonster Finanzmittel, die diese Stadt und ihre Menschen dringend brauchen, um dem Klimanotstand zu begegnen – und zwar nicht nur symbolisch! Es ist meine feste Überzeugung, dass es ohne Straßenbau gelingen wird, die Menschen in Hagsfeld zu entlasten, wenn wir neues Denken wagen und uns von den Denkmustern der Autogesellschaft lösen. Es ist das Gebot der Zeit, das Gebot des Tages!
In der Karlsruher Gruppe ‚Parents For Future‘ haben wir ein Mitglied, das – trotz engagiertem Eintreten für die Energiewende – noch bis vor kurzem vehement für den Bau der Südumfahrung eingetreten ist. Unvoreingenommene Gespräche und ein genauer Einblick in die vorliegenden Prognosen zu den Verkehrsbewegungen haben dazu geführt, dass er nun zusammen mit uns gegen die Südumfahrung kämpft. Herr Marvi, sehr geehrte Stadträtinnen und Stadträte, ich appelliere nochmals an Sie: haben auch Sie den Mut, sich neuen Erkenntnissen zu stellen und alte Positionen zu überdenken. Sie werden Rückgrat brauchen, aber Sie werden den Respekt vieler Menschen gewinnen, die sich von Ihnen eine verantwortliche Haltung in dieser wichtigen Frage erhoffen.

Mit freundlichen Grüßen
Ingo Laubenthal

PS: Falls dieser Offene Brief auf der Internetseite www.parents4future-ka.de veröffentlicht wird (was ich erwarte) werde ich dies an die Bedingung knüpfen, dass Ihre Antwort – wenn sie mich vor dem 30.6.20 erreicht – an derselben Stelle ungekürzt veröffentlicht wird.

Antwort von Stadtrat Michael Zeh vom 25.6.20:

Hallo Herr Laubenthal

Vielen Dank, daß Sie sich mit der Frage Südumfahrung Hagsfeld beschäftigen

Zunächst: Als Entscheidung am 30.6 steht die Frage Tunnel oder Trog als neue Alternativen im Rahmen des Planungsprosseses an.

Der Planungsprozess dauert noch lange, auch mit weiterer Bürgerbeteiligung.
Bis zum endgültigen Bau ist es noch ein weiter Weg — auch die Finanzierung muss noch geklärt werden, es ist als Verbindung der L 560 zur A5 ja eine überregionale Strasse, die entsprechend überregional finanziert werden müßte.

Geben Sie doch bitte mal bei einem Routenplaner die Verbindung Europäische Schule Waldstadt zum Hauptbahnhof Pforzheim ein.
Sicher eine überregionale Strecke — sie werden als Autofahrer durch Hagsfeld geführt.

Offiziell ausgeschildert ist die Strecke von Waldstadt oder Stutensee zur A5 über die Haid-und Neustr, Ostring und Durlacher Allee.
Dies nutzen auch viele Menschen — daher auch die weitere Entlastungswirkung mit
-20 000 Autos auf dem Ostring.
Die neue Strasse ist ca 1 km kürzer — d.h. es werden täglich über 20000 km weniger gefahren, d.h.über 5 Tonnen C02 weniger ausgestossen.
Das ist entgegen Ihrer Behauptung nicht Mehrverkehr, sondern eine neue Verteilung mit weniger Kilometer

Gern wünschen wir uns gemeinsam eine Verkehrswende — sprich weniger Autos, mehr ÖPNV, Rad und zu Fuß gehen.
Der Weg der Änderung ist noch weit.

Zur Glaubwürdigkeit gehört aber, wofür man gewählt wurde, auch umzusetzen. Die Südumfahrung Hagsfeld steht in unserem Wahlprogramm ganz konkret.
Ich bleibe bei der Umsetzung des Versprechens.

mit freundlichen Grüßen

Michael Zeh
SPD Stadtrat

Antwort des Fraktionsvorsitzenden Parsa Marvi vom 25.6.20:

Sehr geehrter Herr Laubenthal,

vielen Dank für ihre Mail. 

Zur Erinnerung: Die SPD hatte 2019 durchgesetzt, dass alle neuen Maßnahmen und Projekte in der Stadt Karlsruhe eine CO2 Bewertung erhalten. Das ist real. Wir haben das Karlsruher Klimaschutzkonzept 2030 uneingeschränkt unterstützt. Das ist real.

Der Begriff Klimanotstand als reiner Beschluss ist dagegen natürlich nur ein Symbol, wenn auch ein starkes. Wir erkennen damit die dramatische Veränderung des Klimas auch bei uns in der Region an. Uns geht es vor allem um wirksame Strategien. Das beschlossene Karlsruher Klimaschutzkonzept ist so eine.

Die SPD Fraktion bleibt geschlossen bei Ihrer Haltung. Wir brauchen natürlich auch die Verkehrsentlastung von Hagsfeld, die ja auch wesentlich durch Schwerlastverkehr bedingt ist. Der Lärm raubt Lebensqualität und macht krank.

Der FFF Vorschlag eines noch stärkeren ÖPNV Angebotes für Hagsfeld würde hier nicht weiterhelfen (Gütertransporte), die Stadt hat in den letzten Jahren ohne Erfolg bereits viele Maßnahmen erprobt. 

Die Umfahrung Hagsfeld wird erst in 7 oder 8 Jahren Realität. Bis dahin fahren hoffentlich viele Autos und LKWs mit erneuerbaren Antrieben. Diese werden ja auch von der Umweltbewegung befürwortet und das ist der zentrale Change und das zentrale politische Ziel, nicht die abstrakte Diskussion über die Umfahrung.

Herzliche Grüße und eine schöne Woche

Parsa Marvi