Offener Brief an Ministerpräsident Kretschmann und Ministerin Eisenmann

Wir zeigen hier einen Offenen Brief von ParentsForFuture Baden-Württemberg vom 6.3.2019. Auf der Seite ParentsForFuture.de könnt Ihr ihn online unterzeichnen. Bitte weitersagen! Wir möchten gerne schell auf 1.000 Unterschriften kommen!

P4F Parents4Future Baden-Württemberg

An den Ministerpräsidenten des Landes Baden-Württemberg, Herrn Winfried Kretschmann
An die Kultusministerin des Landes Baden-Württemberg, Frau Dr. Susanne Eisenmann

6.3.2019

Sehr geehrter Ministerpräsident Kretschmann,
Sehr geehrte Kultusministerin Dr. Eisenmann,

in Stellungnahmen wie etwa dem Brief des Kultusministeriums vom 26.2.2019 an alle Schulleitungen im Land Baden-Württemberg zeigen Sie für die Schüler*innen, die seit Wochen überall in Deutschland und weltweit unter dem Motto „Fridays for Future“ auf die Straßen gehen, einerseits großes Verständnis und sind  beeindruckt von deren Engagement. Sie, Herr Ministerpräsident Kretschmann, halten die wöchentlichen Klimaschutzproteste für „eine gute Sache“ und finden, es mache Mut, „was die jungen Leute machen“.

Andererseits argumentieren Sie aber formal, dass die Schulpflicht ein Fernbleiben vom Unterricht, wie es ein „Streik“ darstellt, verbietet. Schüler*innen werden nun in Folge Ihres Eingreifens an vielen Schulen als „normale“ Schulschwänzende behandelt und sanktioniert durch Nachsitzen, Verweise oder gar der Drohung der Nichtzulassung zum Abitur. Warum lassen Sie eigentlich die Schulen nicht selbst entscheiden, wie sie reagieren?
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Diese mittlerweile weltweiten „Klimastreiks“ haben nichts mit billigem „Schule schwänzen“ zu tun – ganz im Gegenteil: Die Schüler*innen zeigen sich enorm engagiert und nehmen selbstbewusst ihre Rechte in Anspruch! Uns Erwachsene erinnern sie an die politischen Hausaufgaben, die wir nicht gemacht haben. Dies verdient Bewunderung, Anerkennung und Antworten. Und schnelles  und zielgerichtetes Handeln der Erwachsenen, insbesondere der politisch und wirtschaftlich Verantwortlichen.

Sie, Frau Kultusministerin Dr. Eisenmann, wollen nun die Schüler*innen und das Thema Klimaschutz „von der Straße zurück ins Klassenzimmer holen“. Hier möchten wir Ihnen entschieden widersprechen.

Das Thematisieren des Klimawandels im Unterricht oder in Projekten ist eine Ergänzung zu den Protesten auf der Straße und kein Ersatz für die öffentlichen Demonstrationen. Warum schlagen Sie das denn gerade jetzt vor, nachdem die Demonstrationen der Schüler*innen sich ausgeweitet haben und Zuspruch von allen Seiten bekommen? Ihre „Anregungen“ sind vordergründig. Freuen Sie sich stattdessen mit uns, dass endlich eine junge Generation aufgewacht ist!

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Wir Eltern, Großeltern und Freund*innen der von Ihnen angesprochenen Schüler*innen sind der Überzeugung, dass der Klimaprotest der Schüler*innen richtig, notwendig und auch in seiner Form angemessen ist. Wir sind stolz darauf, dass diese noch sehr junge Generation aufsteht und mit Nachdruck das fortgesetzte Versagen der älteren Generationen und auch der politischen und wirtschaftlichen Verantwortungsträger sachlich begründet anprangert.

Die Schüler*innen haben ein beträchtliches Wissen über den Klimawandel, mit dem sie begründen, warum sie auf die Straße gehen. Sie wollen einen intakten Planeten für ihre Kinder und Enkel, auf dem Leben noch möglich und lebenswert ist!

Die Aussagen der Wissenschaft zum Klimawandel sind längst unbestritten. Mit “Scientists for Future“ haben sich mehr als 700 Wissenschaftler*innen auf die Seite der Schüler*innen gestellt. Die Anliegen der Schüler*innen sind „berechtigt und gut begründet“, heißt es in ihrem Aufruf.

Hans Joachim Schellnhuber, renommierter Klimaforscher und langjähriges Mitglied des Weltklimarates, brachte es am 6.3. im Deutschlandfunk auf den Punkt: „Obwohl langsam die Passagiere der Titanic in Panik geraten, geht niemand ans Steuer und reißt es herum.“

Greta Thunberg formuliert nicht: „I want you to teach us about climate change“, sondern mit viel Weitsicht: „I want you to panic“.

Die Zeit drängt wirklich. Die Schüler*innen spüren, was da nicht der Wahrheit entspricht. Es reicht ihnen – und uns auch! Es ist heute, im Jahr 2019, gerade noch nicht zu spät, um die Weichen neu zu stellen und für eine bessere Zukunft zu sorgen.

Deshalb verlangen wir von Ihnen, unserem Ministerpräsidenten und unserer Kultusministerin:

–  Verstärken Sie als Verantwortliche Ihr Engagement beim Klimaschutz. Setzen Sie entschlossen die Verpflichtungen aus dem Pariser Klimaabkommen um. Drängen Sie darauf, dass Deutschland seine Klimaziele für 2020 und 2030 einhält– auch und gerade gegen vielfältige Partikularinteressen.

–  Sagen Sie allen Bürger*innen, dass die kommenden Herausforderungen von allen Veränderung verlangen.

–  Und: Stellen Sie sich hinter die Schüler*innen. Ihnen geht es um eine lebenswerte Zukunft und letztlich um das Überleben der Menschheit. Bestärken Sie Schüler*innen in deren Engagement. Stoppen Sie den Druck auf die protestierenden Schüler*innen. Sie haben das Recht, für eine lebenswerte Zukunft zu kämpfen ohne Angst vor Repression und Nachteilen. Geben Sie den Schulen die Freiheit, sich eigenverantwortlich und kreativ für den Klimaschutz einzusetzen.

***Allen Schüler*innen, die auf die Straße gehen, um für ihre Zukunft zu kämpfen, sagen wir: Wir sind auf eurer Seite und da werden wir bleiben. Ihr seid wunderbar!

Mit freundlichen Grüßen

Parents 4 Future Baden-Württemberg

Erstunterzeichnende

Heidrun und Jörg Rupp, Karlsruhe
Caroline und Andreas Raiser, Göppingen
Matthias Hank, Stuttgart
Johannes Jürgens, Göppingen
Barbara Hackenjos, Stuttgart
Werner Sauerborn, Stuttgart
Khayim Illia Perret, Konstanz
Lissa Sum, Östringen
Meike und Michael Ritter, Emmendingen
Sandra Schlensog, Karlsruhe
Andrea Brenner-Jähne, Weinstadt
Sandra und Augustin Probst, Freiburg
Yvonne und Marcus Hardung, Vaihingen Enz
Dr. Helmut Gaus, Erbach/Donau
Bernd Duffrin, Östringen
Andrea Treu, Wallhausen
Martin Oberdörfer-Schmidt, Berglen
Christel Manzke, Gaggenau
Anja Hernández, Freiburg
Bärbel Oberdörfer-Bunjes und Friedemann Bunjes, Ammerbuch
Ingo Laubenthal

Den Offenen Brief kannst Du hier herunterladen.